Die Marke mit den weißen Wolken im Emblem hat sich in den vergangenen Jahren von einem Glas- und Geschenkeartikel- Anbieter zur modernen Lifestylemarke entwickelt. Heute kennen rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung LEONARDO, die seit 1972 eingetragene Lifestylemarke der Firma Glaskoch aus Bad Driburg. Dort gibt der LEONARDO glass cube der Marke seit seiner Eröffnung im Mai 2007 ein architektonisches Gesicht. Geschäftsführer Oliver Kleine feierte in diesem Jahr 150-jähriges Firmenjubiläum.
Ursprünglich transportierte LEONARDO ein italienisches Lebensgefühl. Der Bauhaus-Stil mit einem Schuss Memphis prägte die Formensprache der 80er-Jahre – Glasträume, die erschwinglich, dekorativ und im Design ansprechend waren. Die Marke zielt in der Produkt- und auch in der baulichen Gestaltung auf modernes Design und Innovation. Mit Aufträgen an Designer wie Ron Arad, der für LEONARDO den kubischen Eierbecher „Half a Dozen” entwarf, Phoenix Design mit der Glaskanne „Nanna” oder Ross Lovegrove, der eine futuristisch anmutende Karaffe mit Abtropfständer und Gläsern vorstellte, entfernt LEONARDO sich weit vom harmlosen Wolkenimage, das als Bildmarke zahlreiche Mitbringsel ziert.
Ein klassisches LEONARDO-Produkt ist das Glas „Swing”, 1998 entworfen von Ingrid Bergér, deren Arbeiten seit Markengründung die Designsprache von LEONARDO prägen. Weitere Namen, die man nicht unbedingt mit einem Geburtstagsgeschenk für die Patentante in Verbindung bringen würde, sind etwa Alessandro Mendini, Annette Lang, Michael Graves, Ulf Moritz oder Karim Rashid.
Zur imm cologne 2009 stellte LEONARDO nun erstmalig auch eine Kollektion von Möbeln für das Wohn- und Badezimmer sowie die Küche vor. Auch diese Kollektion hat natürlich mit Glas zu tun, erklärt Oliver Kleine, der seit 2005 das Familienunternehmen führt.
Wie definieren Sie den Begriff „Design”?
Die LEONARDO-Designphilosophie hat ihre Wurzeln im Bauhaus, nach deren Grundsätzen ein Produkt schön sein, eine angemessene Qualität besitzen, gut funktionieren und einen guten Preis haben muss: also die Demokratisierung des Designs.
Wie passt da die Zusammenarbeit mit Designern wie Ora Ito, Sebastian Conran oder Karim Rashid ins Bild? Kann man denn mit diesen zum Teil recht ausgefallenen Produkten auch Geld verdienen?
Ja, dafür trete ich ein. Ich möchte die Regel brechen, nach der sich Produkte mit einem Red Dot im Produktbereich „Gedeckter Tisch” angeblich nicht verkaufen. Es gibt auch gute Designprodukte, die sich gut verkaufen lassen. Wir sind mit den Umsatzzahlen der Serie „iCon” von Sebastian Conran sehr zufrieden. Durch diese Entwicklung bekommen wir zudem anspruchsvolle Neukunden – und das ist gut.
Im Januar haben Sie die neue Möbelmarke LEONARDO living auf der imm cologne präsentiert. Wie ist es für Sie gelaufen?
Wir sind von vornherein mit einem guten Gefühl nach Köln gefahren, aber unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Wir waren von dem enorm positiven Feedback der Kunden und Endverbraucher auf unsere Möbelkollektion überrascht. Es wurde den Besuchern des Messestandes schnell klar, warum wir diesen Weg mit LEONARDO eingeschlagen haben. Sie empfanden unser living-Konzept überzeugend. Dies ist ein weiterer Schritt hin zur Lifestylemarke.
Jeder Unternehmensberater würde Ihnen in dieser wirtschaftlichen Situation raten: „Bleib bei deinem Kerngeschäft.”
Das sind wir ja. Es dreht sich immer um Glas. Wir haben 150 Jahre Erfahrung im Umgang mit dem Thema Glas. Es gibt kein Unternehmen auf der Welt, das sich in Sachen Glas so konzeptionell aufgestellt hat wie wir. Wir kennen alle relevanten Glashersteller auf der Welt. Wir lassen in Lizenz auf der ganzen Welt produzieren. Wir sind ein Handelsunternehmen, das alle Produkte selbst designt und sie, als Konzept gebündelt, seinen Partnern anbietet.
Sie machen den Eindruck, als hätten Sie eine ganz klare Vision. Wo geht es denn hin?
Ja, die habe ich. Ich möchte, dass wir uns vom Glasanbieter zur Lifestylemarke entwickeln. Wir möchten das Erlebnis Glas so übersetzen, dass dies im Handel auch erlebbar wird, und das müssen wir auch in unseren LEONARDO- Shops umsetzen. Bei LEONARDO soll man Glas mit allen Sinnen erleben können: Glas zum Dekorieren, Glas zum Einrichten, Glas, das duftet, Glas zum Anziehen … Es ist ein tolles Material, das eine enorme Historie und ein großes Potenzial besitzt. Zudem möchten wir das Glas gemeinsam mit Institutionen weiterentwickeln, um eine ganz neue Richtung in der Glasproduktion einschlagen zu können. Aber das ist eine Vision, deren Realisation noch einige Jahre dauern kann.
Und wie könnte diese konkret aussehen?
Wir fragen uns: Was könnte LEONARDO alles sein? Was kann man mit Glas machen, um den Menschen etwas zu bieten? Und für viele Fragen haben wir schon die passenden Antworten und Produkte. Mehr als 60 Prozent der Deutschen haben die Marke LEONARDO zu Hause. Sie bestimmt auch.
Kann sein, aber ich kratze die Aufkleber immer ab …
Mit den Aufklebern unseres neu gestalteten Logos gelingt Ihnen das aber nicht mehr (lacht).
Text und Interview: Frank A. Reinhardt
Weitere Informationen: www.leonardo.de

LEONARDO living sind Markenmöbel für die gehobene Mittelklasse. Die Möbel sollen durch ein klassisch-gradliniges Design und eine hochwertige Verarbeitung „Made in Germany” begeistern. Die praktischen Möbel sind modular aufgebaut. Der Konsument kann zwischen verschiedenen Varianten aus Holz, hochwertigen Lackierungen und Glas wählen. Das Baukastensystem ermöglicht eine individuelle Zusammenstellung für jeden Kunden, die so ihr persönliches Programm erweitern können.
15. Oktober 2009
Kategorie: Aussteller, Designkonzepte
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