News direkt von der imm cologne 2010 – das bietet das imm Magazin auf Youtube. In der dritten und aktuellen Ausgabe geht es um Einrichtungstrends. Ursula Geismann vom VDM ist als Expertin ins imm cologne TV Studio und beschreibt, welche Trends und Konzepte im Jahr 2010 in Sachen Möbeln und Wohnen “in” sind. Ebenfalls zu Gast im TV Studio: der unbesiegte Weltmeister im Mittelgewicht, Arthur Abraham.
Ingrid Leidigkeit-Strotmann und Manfred Strotmann. Foto: DesignConcept – WohnConcept – BüroConcept, Bonn.
Die imm cologne (19.-24.01.2010) gilt als weltweite Leitmesse der Einrichtungsbranche und als jährliche Ordermesse als die wichtigste Messe für den Fachhandel. Durch die Bündelung des breiten Angebots der mehr als 1000 Aussteller auf der imm cologne in Köln, besteht die einzigartige Möglichkeit, sich als Fachhändler schnell und umfassend über aktuelle Trends und Neuheiten zu informieren.
Die imm cologne ist für den Fachhandel Inspiration und Informationsquelle zugleich und der wichtigste Anlaufpunkt zu Beginn des Möbeljahrs 2010. Wir haben mit dem imm cologne hit guide Jurymitglied Manfred Strotmann (Geschäftsführender Gesellschafter von DesignConcept – WohnConcept – BüroConcept) aus Bonn über die Bedeutung der imm cologne, Trends im Möbeljahr 2010, die Wertigkeit von Marken und die neue Freude am Einrichten gesprochen.
Im Trendboard wurde vom Ende der Designikonen gesprochen. Was bedeutet das für das Interior Design?
Ja, das haben wir diskutiert, aber ich sehe das gar nicht so absolut. Meiner Meinung nach wird es immer Designikonen geben. Denn ob ein Objekt Kultcharakter besitzt oder nicht hängt von dem Design selbst ab und nicht davon, ob es mit diesem Etikett vermarktet wird. Vieles wird ohne jeden Gedanken an Zeichenhaftigkeit designt, erobert aber zu einem bestimmten Moment die Fantasie der Konsumenten und steht dann eben für einen bestimmten Zeitgeist. Was sich aber tatsächlich verändert hat, ist das Bedürfnis, die Wohnung wie eine Spielzeugkiste mit Designgegenständen anzufüllen. Diese Haltung ist etwas aus der Mode gekommen.
In Deutschland wird das Sofa im Durchschnitt nur alle 8-12 Jahre gegen ein neues ausgetauscht. Träumen Sie da nicht auch manchmal von einer Abwrackprämie?
Wir fordern keine Subventionen für uns Möbler – aber die Gleichbehandlung aller Branchen. Statt Autos sollte die Politik lieber die Steuer für Bürger und Mittelstand abwracken, damit wieder mehr Geld in den Portemonnaies und Kassen verbleibt, das dann nach freier Entscheidung eines jeden Einzelnen verwendet werden kann.
Das Trendboard der imm cologne erwartet eine Rückkehr zu mehr Qualitätsbewusstsein als Reaktion auf die Wirtschaftskrise. Kann man „echte” Qualität heute eigentlich noch bezahlen?
Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen wieder absehen vom schnellen Konsum. Ja, es ist eine Art Mentalitätswandel in Gang gekommen. Die Menschen werden wieder sensibler für die Ressourcen dieser Welt und für die Dinge, die Wert und Beständigkeit haben. Die Nachfrage auch in unserer Branche nach Nachhaltigkeit und Wertigkeit nimmt daher zu. Nachhaltigkeit wird in unserer Branche im Zusammenhang mit den verwendeten Materialien und Rohstoffen diskutiert. Wir haben Glück, denn Holz, aus dem die meisten Möbel nun mal sind, ist ein nachwachsender Rohstoff. Auch bei den anderen Materialien fragen die Konsumenten immer mehr nach der Trennbarkeit und damit Recyclebarkeit am Ende des Lebenszyklus. Auffällig ist außerdem die Hinwendung zu langlebiger Qualität und damit zur neuen Wertigkeit. Für frühere Generationen war es normal, nicht mit jeder Mode zu gehen und von Bekleidung bis Möblierung nicht jedes Angebot mitzumachen. Dann kam die Zeit des schnellen und wechselnden Konsums. Die Freude war oft kurz und die Produkte austauschbar.
Die Marke mit den weißen Wolken im Emblem hat sich in den vergangenen Jahren von einem Glas- und Geschenkeartikel- Anbieter zur modernen Lifestylemarke entwickelt. Heute kennen rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung LEONARDO, die seit 1972 eingetragene Lifestylemarke der Firma Glaskoch aus Bad Driburg. Dort gibt der LEONARDO glass cube der Marke seit seiner Eröffnung im Mai 2007 ein architektonisches Gesicht. Geschäftsführer Oliver Kleine feierte in diesem Jahr 150-jähriges Firmenjubiläum.
Seit 1998 firmieren die Innenarchitektin Kirsten Antje Hoppert und der Produktdesigner Steffen Kroll unter dem Label Studio Vertijet. Beide studierten an der Designhochschule Burg Giebichenstein in Halle. Ihr Aufgabenspektrum definieren sie vom Esslöffel bis zur Architektur.
Über ihre gemeinsamen Ideale und ihre Begeisterung für »das Schöne mit ebenso hohem, funktionalem Wert« fanden sie zu dieser Konstellation zusammen. »Wenn unsere Produkte einmal dazu beitragen, die Menschen zu sensibilisieren, hätten wir eines unserer Ideale erreicht …«, so sagen sie. Aus dieser Überzeugung und Leidenschaft heraus entwickeln sie ihre Ideen.
Hierbei sind »das Träumen« und »die fantastischen Vorstellungen vom Leben« ein wichtiger Bestandteil des Produktentwicklungsprozesses – den sie am liebsten als »geplante Intuition« bezeichnen. Nach der Philosophie des Gestaltungsduos bewegt die Menschheit sich definitiv wieder in Richtung Erdboden – allerdings mit einigen Lagen Polsterstoff zwischen sich und dem Teppich.
Denn das Problem für den Entspannung Suchenden, so Kirsten Antje Hoppert und Steffen Kroll, werde weder mit komfortablen Bürositzmöbeln noch mit dem klassischen Sofa gelöst – die prinzipielle Ergonomie des Sitzens ist die gleiche. Der Mensch kommt vom Sitzen und geht zum Sitzen. Damit also wieder etwas Bewegung ins Leben kommt, führt „Lava“ von Cor eine neue Ergonomie des Liegens ein. Damit hat die Welt erstmalig ein Sofa, das nicht primär zum Sitzen da ist. Kirsten Antje Hoppert und Steffen Kroll leben und arbeiten zusammen in Halle/Saale in Deutschland.
Welche Trends prägen in diesem Jahr das Einrichtungs- und Möbeldesign? Wir fragten Designer, Hersteller, Händler und Journalisten nach ihren Einschätzungen und Beobachtungen.
Arik Lévy, Designer, Paris:
Die letzte Zeit war für uns alle außerordentlich spannend. Vieles hat sich in den Augen, dem
Gemüt und der Denkweise der Menschen verändert. Meiner Meinung nach – und dies wurde durch die Messe und einige der gezeigten Produkte bekräftigt – sind Trends Werkzeuge, Hilfsmittel, die uns helfen, zu verstehen, was wir sehen.
Trends ändern sich so schnell, dass womöglich gar nicht der Trend selbst wichtig ist, sondern vielmehr die Gründe für seinen Wandel und die Art und Weise wie er sich vollzieht. Der derzeitige Trend besteht in einer Rückkehr zur eigenen Identität, zu Aufrichtigkeit und zur Hingabe an eigene, authentische Ideen.
Konstantin Grcic (*1965) lernte Möbelschreiner an der John Makepeace School for Craftsmen in Dorset (1985 bis 1987), bevor er am Royal College of Art in London Möbeldesign studierte. Nach einem Jahr als Assistent bei Jasper Morrison gründete er 1991 das Büro „Konstantin Grcic Industrial Design“ in München.
In den 90er-Jahren begann sein Erfolg mit Wäschekörben und anderen Kunststoffartikeln für Authentics; es folgten Stil-Ikonen wie die Lampe Mayday für Flos (1999), das schwankende Regal Es für Nils Holger Moormann (1999), der Sessel Chaos für ClassiCon (2001) und das Sitzelement Osorom für Moroso (2002).
Der Stuhl chair_ONE aus Druckguss- Aluminium (Magis, 2004) war mit seinem konischen Betonfuß eigentlich für den öffentlichen Raum gedacht, verkaufte sich dann aber als skulpturale Gitterstruktur mit Sitzfunktion zig-tausendfach für den privaten Loft. Es folgte der Barstuhl Miura für Plank (2005).
Stefan Heiliger, geboren 1941 in Berlin, studierte an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und bei Wilhelm Wagenfeld in Stuttgart. Von 1964 bis 1977 arbeitete er als Designer bei Mercedes-Benz. Einer der wichtigsten Entwürfe aus Heiligers Autophase ist der Mercedes-Kastenwagen 207 D, der millionenfach gebaut wurde.
Das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst zeigte im Jahre 2007 in einer Retrospektive vor allem die bekannten Relax-Möbel des Designers aus der Zeit nach seiner Tätigkeit als Automobildesigner. Als Professor an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und als Inhaber eines Designstudios spezialisierte sich Stefan Heiliger auf das Entwerfen von Möbeln.
Für die 1961 in Oviedo geborene Spanierin Patricia Urquiola sollte Design etwas vom Leben reflektieren – und das ist nun einmal komplex. Wie zum Trost sind Ihre Entwürfe aber auch ausgesprochen sinnesfreudig. Urquiola studierte Architektur in Madrid und Mailand und verfasste bei Achille Castiglioni ihre Examensarbeit.
Sechs Jahre arbeitete sie, zuletzt als Leiterin, in der Entwicklungsabteilung des Möbelherstellers de Padova. Von 1996 bis 1998 entwarf sie bei der Lissoni Associati Design Group für Alessi, Boffi, Cappellini, Cassina und Kartell.
2001 gründete sie in Mailand ihr eigenes Atelier „Studio Urquiola”. Ihre Kunden sind B&B Italia, Bosa, De Vecchi, Fasem, Molteni, Moroso, Driade und viele andere mehr. Sie befasst sich außerdem mit Ausstellungskonzepten, visionären Inszenierungen (Axor), Showroom- Gestaltungen und Architekturprojekten.